Bedingunsloses Grundeinkommen - Befreiung vom Lohndiktat oder vergiftetes Geschenk?


  • Forderungen für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) kommen aus sehr unterschiedlichen Ecken: aus Arbeiterperspektive wird argumentiert, dass mit einem auskömmlichen, die Lebenshaltungskosten abdeckenden Grundeinkommen der Druck von der einfachen Bevölkerung genommen würde, jedes Arbeitsangebot zu noch so schlechten Bedingungen annehmen zu müssen. Es entstünden endlich Freiräume für ein nicht dem Lohndiktat der Unternehmer und Manager unterworfenes, selbstbestimmtes Leben.


    Aus der anderen, marktliberalen Ecke - zB vom ehemaligen Chef der Drogeriekette DM, Götz Werner - wird argumentiert, man könne sich mit einem BGE den ganzen teueren und ineffizienten Sozialstaat sparen, das sei volkswirtschaftlich kostengünstiger.


    Verdächtig ist, dass inzwischen auch das Weltwirtschaftsforum, einer der Clubs der Superreichen, für ein Grundeinkommen ist, und zwar gleich für ein weltweites. Und allerdings auch nicht so ganz bedingungslos, jedenfalls nicht auf Dauer.


    Warum das globale Grundeinkommen ein vergiftetes Geschenk, besser eine Art Einstiegsdroge in eine fatale Abhängigkeit von den Machteliten des Planeten sein könnte, wird in einem aktuellen Artikel des politisch links angesiedelten Wirtschaftsjournalisten Norbert Häring deutlich: Das universelle Grundeinkommen: Der feuchte Traum des Weltwirtschaftsforums.


    Eine von Häring zitierter Aussage eines dem BGE gegenüber ebenfalls kritisch enigestellten amerikanischen Wirtschaftswissenschaftlers zeigt die Linie, die mE für :a:aufstehen gelten sollte: "Die Lösung ist nicht, genug Krümel zu verteilen, um die Leute daheim, abgelenkt und sonstwie befriedigt zu halten, sondern den demokratischen Prozess wiederzubeleben.“


    Neben meinem Schreibtisch hängt ein Ausspruch von Aldous Huxley, dem Autor des Weltbestsellers "Schöne neue Welt":

    “Die perfekte Diktatur wird den Anschein einer Demokratie machen, einem Gefängnis ohne Mauern, in dem die Gefangenen nicht einmal davon Träumen auszubrechen. Es ist ein System der Sklaverei, bei dem die Sklaven dank Konsum und Unterhaltung ihre Liebe zur Sklaverei entwickeln.” Aldous Huxley, 1931

  • Hallo, Adi Goldbach und die übrigen Mitdenker,

    Dein Beitrag Adi macht mich zu deinem Verbündeten,

    am Samstag war ich in Polen und habe dort vernommen, dass dort ähnliches geschieht, oder geschehen soll. Ich meine das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN.

    Darüber hatte ich bisher nicht genügend nachgedacht. Das Thema war mir aber von Anfang an suspekt; denn ich fragte mich, wenn Konservative, besonders jene, die an der Macht sind, so etwas vertreten, ist möglicherweise etwas faul.

    Jetzt weiß ich, was an diesem Modell vom Kopf her stinkt: Man hat sein Bier, kann auf dem Sofa TV glotzen, verhungert und verdurstet nicht und wohnen verbraucht den Rest der monatlichen Einnahmen. Dieses Wohnen wird dann vermutlich aber eher einem Hausen unter der Brücke gleichen. Der Empfänger des BEDINGUNGSLOSEN GRUNDEINKOMMEN fragt sich zu Recht: Wozu soll ich dann aufstehen und kämpfen? Ich habe doch alles, was ich brauche. Als Parasit wird er sich nicht vorkommen müssen; denn das ist ja von Oben durch Gesetze juristisch einwandrei erklärt und verankert.

    Meine und vielleicht auch eure Gegner haben nur eine echte Besorgnis: Was muss ich tun, um nicht die Massen des Volkes gegen mich aufzubringen, die mich am Ende lynchen werden.

    Das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN ist in den Köpfen unserer Gegner als Mittel zum Zweck erkannt worden. Was erleben wir aktuell diesbezüglich gerade in Deutschland? Unser Modell des Sozialstaates birgt in den Augen unserer Gegner immer noch die Gefahr von Unruhen im Volk, vor allem auf Inititiven aus unseren Reihen, besonders solcher Individuen, wie ich eins bin, die Land, Wasser und Luft entprivatisieren wollen, mit aller Macht.

    Satte Menschen, die ein Dach über dem Kopf haben, haben demnach zunächst auch keinen Grund aufzustehen. Irgendein berühmter Mitdenker hat einmal vom Lumpenproletariat gesprochen und darauf verwiesen, dass von jenen im Kampf für Freiheit und Fortschritt keine Unterstützung oder tätige Mithilfe geleistet wrd und auch nicht erwartet werden darf. Das hatte ich auch nie so richtig verstanden. Ein anderer Mitdenker kam schon im 19.Jhdt. auf den Liedtext: Wenn mein starker Arm es will, stehen alle Räder still. Mit diesen Spruch werde es leicht sein, unsere Gegner im Zaum zu halten, dachte ich immer. Das Gegenteil ist eingetreten. Die schlauen Köpfe meiner Gegner zersplitterten die Front der "Arbeiterklasse", in dem sie zwischen Arbeitern und Angestellten unterschieden. Vom Ur-Arbeiter ist kaum noch etwas Schlagkräftiges geblieben. Die gewählten Vertreter ließen die Zersplitterung der Gewerkschaftsidee zu. Schande über sie!

    Wen wir deshalb als Mitstreiter im Kampf gegen Ausbeutung durch das Kapital gewinnen müssen, sind jene, die auch real ausgebeutet und zur Melkkuh der Nation geworden sind: der sogenannte Mittelstand. Den privaten Eigenheimbesitzer, den selbständigen Handwerker mit seinen Beschäftigten, den Autofahrer und überhaupt jeden, der von seiner Arbeitskraft leben muss. Sie müssen alles zahlen, was Obrigkeit in Gesetze gießt, wenn es um Einnahmen für den "Sozialstaat" und deshalb eben auch um das BEDINGUNGSLOSE GRUNDEINKOMMEN geht.

    Heute, mit 71 wird mir bewusst: der so genannte Mittelstand muss ähnliche Interessen haben, wie ich.

    Dort werde ich nun verstärkt missionieren

    Jürgen, der Opa aus Putlitz

  • Es gibt selten was Gutes, es sei denn, man tut es.


    Ich verstehe o.g.Argumente und der Klassenfeind scheut keine Intrige. Doch die Gründe FÜR ein linkes Emanzipatorisches Bedingungsloses Grundeinkommen sind m.E. wesentlich und aktueller denn je.

    Es wäre vom Balkon gesprochen, Menschen im Falle des Bezuges von BGE Faulheit zu unterstellen, geschweige denn politische Lethargie. Wer nur einmal Hartz4 genossen hat, kennt die Ausmaße der Entwürdigung, Entrechtung und auch die Sehnsucht nach Teilhabe. Ein BGE kann m.E. die Würde wieder herstellen. Vorausgesetzt, es werden damit inflationsresistent die Kosten des Daseins gedeckt.


    Ein Hauptargument könnte sein, mit dem BGE den Klimawandel zu begegnen, derart, daß es durch den fehlenden Zwang sinnlose und i.d.R. umweltschädigende, nichtnachhaltige Arbeit verringert und ökologische und soziale Arbeit und Innovation befördert und organisiert.


    Es wird ein Experiment, da es noch nie da war. Es muß, genau wie der mutige Mietendeckel, learning by doing praktiziert werden. Es muß ein systemchange erfolgen, indem nicht mehr Armut und Unterdrückung, sondern der Reichtum überwacht und gesteuert wird.


    Laßt uns gemeinsam nicht untereinander, sondern DAFÜR streiten.


    https://twitter.com/i/lists/229306919

  • Lieber Juergen Ludwig,

    deine Gedankengänge verstehe ich auch. Der Knackpunkt ist wie so oft: wir schnappen nach hingeworfenen Worthülsen, die zunächst jeder nach seinem Gewissen und Wissen deutet, ohne abzuwarten, was gestaltende Obrigkeit sich darunter vorstellt. Ich plädiere dafür zu warten, bis jene die Katze aus dem Sack lassen. Vorher sollten wir auf keinen Fall jenen schon wieder mal auf den Leim gehen, die diese Sprache bewusst zur Verwirrung in die Welt bringen.

    Was bedeutet: bedingungslos? 1000 Individuen haben 1000 verschiedene Meinungen darüber, was das bedeutet.

    Was bedeutet: Grundeinkommen? 1000 Individuen haben 1000 verschiedene Meinungen darüber, was das bedeutet.

    Die Macht der Obrigkeit funktioniert auch über die jahrhundertealte Methode der Erfindung neuer Worthülsen in abstrakter Sprache, die sich dann in Regeln und Gesetzen wiederfindet. Wann begreifen das ihre Gegner endlich!

    Die Bundeskanzlerin kennt meine Denkart, sonst würde sie viel öfter mal inhaltlich ihren Senf zu wichtigen Themen der Zeit abgeben. Sie weiß, warum sie das bewusst nicht tut. Weil wir nach dem über die Medien verbreiteten und hingeworfenen Köder immer wieder schnappen und uns gegenseitig totdiskutieren. Und Obrigkeit reibt sich die Hände, dass es wieder mal funktioniert hat.

    Warum gilt sonst: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

    Besser kann ich meine Hintergründe zum Thema nicht darstellen,

    der noch kampfbereite und solidarische Opa Jürgen aus Putlitz

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